19. September 2016

Music Monday #43 - Au Revoir

Hello ihr Lieben! Wie immer möchte ich euch auch an diesem Montag wieder mit einem Song in die neue Woche schicken, der heute a) unytpisch ist, aber b) unglaublich viel Sinn macht. Heute gibt's Verbindungen, wir wollen uns der Jugend widmen, die vielleicht ja nie endet, den kleinen großen Dingen im Leben und dem Anfang, der im Ende steckt.



Mark Forster feat. Sido - Au Revoir

Wo fangen wir an? Ja, wo? Beim Hintergrund. Heute habe ich euch Musik aus dem Radio mitgebracht. Die finden wir meist schlecht, manchmal kann sie aber auch ganz groß sein. Mark Forster ist ein Künstler, den ich eigentlich nicht sonderlich beachte, auch wenn ich ab und zu etwas von ihm im Radio höre. Textlich doch recht stark, aber dann irgendwie zu kitschig oder einfach nicht auf der richtigen Wellenlänge. Ein Track, den ich von Anfang an sehr stark fand, war Au Revoir. Das Warum werden wir gleich klären. Ausführlich. Sehr lange habe ich den Song dann nicht mehr gehört, bis ich eines Samstagabends viel zufälliger als man denken könnte, Mark Forster live gesehen habe. Ich wollte da ja gar nicht erst hin, aber 2016 ist für mich das Jahr geworden, in dem ich so gut wie alles mache, das ich eigentlich nicht machen will. Erwartet habe ich nichts und auch das ist etwas, das ich 2016 unglaublich zu schätzen gelernt habe. Die unglaublichsten Dinge passieren eben immer, wenn man nichts erwartet und nichts sucht. Vollkommen vergesse hatte ich, dass Mark Forster überhaupt Au Revoir gesungen hat, bis es dann plötzlich live erklungen ist. Diese feels, ihr könnt es euch ja gar nicht vorstellen. Großartiger Moment, seitdem nicht mehr getoppt, Lied wieder in der Playlist und immer noch so passend, ab hier rein.

Mann, jeder Tag ist so gleich
Ich zieh Runden durch mein' Teich
Ich will nur noch hier raus
Ich brauch mehr Platz und frischen Wind
Ich muss schnell woanders hin
Sonst wachs ich hier fest
Ich mach 'nen Kopfsprung durch die Tür
Ich lass alles hinter mir
Hab was Großes im Visier

Ich komm nie zurück zu mir

Au Revoir ist ein Song, der für mich in jede Altersgruppe passt. Der zum einen das Thema der letzten Woche, das wir mit Tschick begonnen haben, wieder aufgreift, aber viel weiter geht. Wie wir im Video sehen können, passt dieses "ab und tschüss, ich hau ab" perfekt in die Jugend. Wenn zuhause gar nichts mehr passt, der Weg verbaut scheint, Unterstützung nicht greifbar ist, wenn man einfach raus will. Abhauen. Nicht mehr zurückkommen. Tasche packen, rausschleichen und dann wird das schon irgendwie.

Als Teenager wollte ich ja ziemlich oft einfach weg von daheim, mit riesengroßen Szenen und am Ende hat mans ja doch nie durchgezogen. Was rückblickend vielleicht auch gar nicht mal so verkehrt war. Früher war das aber wirklich eine räumliche Flucht, die natürlich auch für alles Innere stand, aber immer auch diese greifbare Distanz in sich hatte. Heute ist dieser Gedanke immer noch da, aber er ist anders geworden. Heute geht es nicht mehr darum wegzurennen und dann schaut man mal, heute geht es darum, sich wirklich von Dingen zu verabschieden, sie hinter sich zu lassen, nach vorne zu schauen, für sich selbst. Und das kann immer noch räumlich passieren, spielt sich aber viel mehr auf einer gedanklichen Ebene ab.

Es gibt nichts, was mich hält, Au Revoir
Vergesst, wer ich war
Vergesst meinen Nam'n
Es wird nie mehr sein, wie es war
Ich bin weg
Au Revoir


Au Revoir verbindet für mich zwei Welten. Au Revoir ist egoistischer, jugendlicher Trotz und Au Revoir ist erwachsenes Selbstbewusstsein. Die Betonung liegt auf dem Bewusstsein. Man tut etwas für sich, weil es anders nicht mehr funktioniert. Und das ist doch immer eine positive Entwicklung, auch oder gerade wenn es manchmal heißt etwas hinter sich zu lassen. Zurück zu lassen. Und trotzdem bleibt es doch immer dieser kleine Ausspruch der Anti-Haltung, die manche Menschen nie verlieren. Au Revoir ist auf recht charmante Art auch eine Möglichkeit Frust abzulassen.

Auf Wiederseh'n? Auf kein'
Ich hab meine Sachen gepackt, ich hau rein

Au Revoir, meine Freunde, macht's gut
Ich sag dem alten Leben Tschüss, Affe tot, Klappe zu

Selten, dass ein Song gleichzeitig positiv und negativ sein kann. Au Revoir hinterlässt bei mir definitiv einen bitteren Beigeschmack, motiviert mich aber und macht Spaß. Und der Song erinnert mich an einen unerwarteten Moment voller Freude und das ist doch genau das, was man nie vergessen sollte. 

Alles Liebe für die neue Woche. x Maja

Kommentare:

  1. Ich schäme mich tatsächlich ja manchmal dafür, dass ich für Radiosongs oft nur Verachtung habe.
    Sie werden einfach dort kaputt gespielt, allein durch die Quantität, aber auch durch den Musik- und
    Moderationskontext - zumindest bei den großen Stationen. Dagegen habe ich eine extreme Abneigung.

    Ich hatte viele Jahre lang einen Radiowecker, als ich immer nachts raus musste, weil im Halbschlaf das doch noch irgendwie geht. Das war auch die Zeit als dieser Song erschienen ist. Ich fand ihn manchmal unerträglich, weil er so viel Sehnsucht in mir angesprochen hat, dass die ganze Welt nur noch weh tat. Diana hat den Song auch mal bei uns vorgestellt.

    Ich kann mir sehr gut vorstellen, welche Dynamik er live und mit guten Menschen um einen herum entfaltet. Freiheit und Endlichkeit, die beide Schmerzen. Das Bild mit dem Teich und dem Kopfsprung hatte ich so nicht mehr in Erinnerung. Es ist echt stark. Texten kann der gute Herr. Für mich so in einer Liga mit Clueso, was das Publikum betrifft.

    Ich habe deinen Text jetzt drei mal gelesen, um zu verstehen wie du das jedes Mal machst. Bin ratlos... Wahnsinn! 💜

    Alles Liebe
    Katharina

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    1. Geht mir aber wirklich ähnlich. Ich muss aber auch ehrlich sagen, dass mir in den letzten Monaten, seitdem ich auf der Arbeit nicht mehr Radio höre, einige Songs durch die Lappen gegangen sind, die ich dann im Nachhinein zufällig entdeckt habe. Vielleicht ist das auch gar nicht so schlecht, weil ich dann nicht voreingenommen war und ja, du weißt schon. Ging mir ja mit Twenty One Pilots auch so.

      Einen Radiowecker will ich mir auch bald anschaffen! Hat das denn funktioniert oder war das eher ein Abturn?
      Gott, mir tut das grad schon weh das zu lesen. :/ Das ist wieder etwas, das ich nie damit gespürt habe, vielleicht auch weil ich gar nicht weg will, sondern weg muss? Ergibt das Sinn?
      Wirklich?? Das hatte ich gar nicht mehr im Kopf, sonst hätte ich was anderes ausgesucht :/ Mist.

      Das rührt mich total! Bin immer wieder überrascht, dass sich doch etwas rausziehen lässt, für mich sind die Texte meist gar nicht das, was ich eigentlich wollte.. :/ Umso besser.

      Danke, danke, danke!
      Wunderbaren Urlaub wünsche ich!!!

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