9. September 2016

Musik: Neuentdeckungen im August

Hello ihr Lieben. Wer hat schon gedacht, er kommt diese Woche mal ohne musikalische Empfehlungen von mir davon? Kein Music Monday, kein Wochenrückblick.. Tja, zu früh gefreut. Ich mache mir schon immer relativ früh Gedanken, welchen Song ich euch denn montags so präsentieren will, aber letzte Woche war da einfach nichts. Klar habe ich Musik gehört, aber einfach nichts, das ich euch mitgeben wollte. Weil es nicht gepasst hätte. Da war keine Motivation, viel mehr das Gegenteil. Teilweise ziemlich harter Tobak und auch wenn ich irgendwo in meinem Hirn in sowas einen Weg finde, um weiter zu machen, so ist das einfach eine viel zu subjektive Wahrnehmung. Also einfach mal gar nichts. Und trotzdem habe ich vor allem in der letzten Woche viel neue Musik gehört, die mich begeistert, aber auch 'schockiert' hat. Auf eine Art, die man einfach teilen muss. Aus diesem Grund möchte ich euch heute einfach mal meine Neuentdeckungen aus dem August präsentieren, denn zufälligerweise hat ja auch ein neuer Monat angefangen...


Es gibt ja unzählige Möglichkeiten neue Musik zu finden. Empfehlungen von Freunden, Stöbern auf Youtube, zufällig über die sozialen Netzwerke. Ich persönlich mache auf Youtube so gut wie gar nichts mehr und ich bin auch ziemlich faul geworden, was das Checken von Künstlern angeht. Früher hat man sich vor den Festivals noch die Bands angehört und Playlisten erstellt, heute lese ich den gleichen Namen 10mal und stolpere dann doch nur zufällig mal über einen Song. Hat auch viel damit zu tun, dass ich lange Zeit gar keine neue Musik hören wollte. Mittlerweile ist das wieder anders und ich höre einfach in alles mal rein, was irgendwie ansprechend klingt.

Wie ihr vielleicht mitbekommen habt, nutze ich Spotify momentan recht häufig und recht viel. Eigentlich andauernd und nonstop. Spotify hat nun schon seit einigen Monaten die Playlist "Dein Mix der Woche" im Angebot. Jeden Montag bekommt so jeder Nutzer (der will, kann man entfolgen) eine Playlist mit Songs, die wohl irgendwie zum Geschmack passen soll. Fand ich anfangs gar nicht so geil, allerdings wurde mir vor ein paar Wochen eingetrichtert, dass das doch der Shit ist und seitdem höre ich mir die Playlist jede Woche mal durch. Einiger Bullshit ist dabei, einiges, was man nur ironisch hören kann, was zum Lachen, aber manchmal halt auch echt Sachen, die ins Herz treffen und passen. Ziemlich einfache Möglichkeit sich berieseln zu lassen und vielleicht einen neuen Lieblingssong zu finden. Die folgenden Bands haben wir dem Mix der Woche zu verdanken.

Touché Amoré


Touché Amoré kannte ich ja schon immer vom Namen her. Einer der größten Fehler, die man machen kann, ist, Bands nicht genauer zu beachten, weil man sie ja schon von irgendwoher kennt. Verpasst man manchmal das Beste. Touché Amoré sind eine Hardcore-Band aus den USA, die unter anderem zusammen mit La Dispute und Defeater (ebenfalls wertgeschätzt von mir) zu der Post-Hardcore-Bewegung "The Wave" zählen. Der Stil hat einen deutlichen Wiedererkennungswert, vor allem La Dispute und Touché Amoré ähneln sich in Sachen Vocals sehr meiner Meinung nach. Touché Amoré sind dabei aber melodiöser und teilweise auch einfacher weniger depressiv. Muss man mal sagen, wie es ist.

Auch wenn mein Herz zum größten Teil für Alternative schlägt und in den letzten Monaten extrem mit Rap gefüllt wurde, so bleibt Hardcore doch etwas, das ich auch ab und zu höre. Früher viel mehr, heute meist in schwierigen Zeiten. Düster, teilweise sehr schwer, voller Melancholie, Texte voller Geschichten, die uns Wahrheiten zeigen, die wir gar nicht kennen wollen. Besonders Touché Amoré machen für mich etwas, das ich einfach storytelling nennen würde.

 I don’t owe anyone, I don’t owe anything, so stop expecting everything from me. You don’t owe me a thing, I’m just trying to be, so just stop answering for me.
There’s people that changed me. There’s songs that saved me from all of this. There’s days that defined me. There’s nights that gave me strength from all of this. So here I am looking past it all reciting.


Levi The Poet


Storytelling bringt uns zum nächsten Künstler. Levi The Poet ist ein amerikanischer Musiker und "spoken word artist" und genau das hat mich wahnsinnig gefesselt, als ich ihn auf Spotify entdeckt habe. Sein Album "Correspondence" ist in Kapitel aufgeteilt, jeder Song ein Kapitel. Begleitet von Instrumentals erzählt er darin sozusagen kleine Geschichten, spricht das Drama, untermalt von der Musik. The Poet. Treffender geht es gar nicht mehr. Ich persönlich habe vorher noch nie so etwas gehört und war einfach geflasht, dass es das gibt und schockiert, wieso das nicht zu meiner Musik-Allgemeinbildung gehört. Musik ist eine Kunstform und das ist Kunst in der Reinform für mich. Eben nicht das, was man heutzutage im Radio hört, sondern wahre Kunst. Sie existiert noch.

Extrem krasse Sache, für die mir die Worte fehlen. Die hochgradig emotionale Stimme hat mich wirklich tief getroffen. Vielleicht sollte man mal Geld dafür bezahlen, sich abends irgendwo hinzusetzen und sich davon bewegen zu lassen.

For a split second, as I watched the last of her craft fall beneath the surface of the water, I thought that we are all only stones in the ocean, and maybe it didn't matter that much, whether we lived or died.

I am lonely, and I can't reconcile loneliness with meaninglessness because, like beauty, it leaves me wanting for more.

You were a mountain to me.

Your earthquake leaves me trembling and I long beyond your beauty, past your breaking and out into whoever is responsible for your new beginning.

Maybe he knows the end.

I guess this is goodbye.

I knocked on every inch of this wooden tree house to keep that word away, but goodbye, despite all of my efforts, remains.


All Human

Das Beste kommt zum Schluss. All Human ist ein Duo, deren beiden Mitglieder sich durch ihre Hauptbands (Orbs und Trophy Scars) gefunden haben. Ich kann euch zum Background absolut nicht mehr sagen, Zufallsentdeckung und dürftige Bio und so. Und interessiert das heute noch die Leute? All Human begleiten mich mittlerweile täglich, obwohl ich beim ersten Hören einfach nur geschockt war. Mein Lieblingstrack, der natürlich nicht auf Youtube verfügbar ist, nennt sich "Where's My Upslope?", besticht durch Traurigkeit und Energie und hat einen Text, der brutal ist. Aber nicht nur dieser, alle Texte scheinen einfach brutal zu sein.

Was it worth it now looking back?
Stack it up,
Make something you can show the kids.
There's no kids,
Because you never really left the house.
Do you exist?
Because if you do then it's news to us.

You should stay down.
Protect your ribs and count out.
Close your eyes and play dead.
You've always faked it.
You should leave town.
You could settle down.
Or just stay home and kill yourself.
You won't miss out.

Diese vorletzte Zeile finde ich.. abstoßend. Das ist wohl das Wort dafür. Etwas, das ich gar nicht vertrage. Und doch war der Song gut und wie kann man dann so etwas Bescheuertes in den Text einbauen? Kein Blatt vor dem Mund. Die Texte von All Human zeichnen sich durch diese brutale Ehrlichkeit aus, durch dem Spiel mit der Angst, durch das Brechen eines Tabus. Sie sprechen genau das an, was kein Mensch hören will und das schonungslos, mitleidslos.

On a snowy street theres people singing songs of joy.
You spent your Christmas Eve without a wife, without a child...
No one. No love.

Do you feel alone?
Bet you feel alone?
You'll always be alone.
No one. No love.
Did you make the grade?
Try and make the grade.
Didn't make the grade...
Make your self sick. Make something.

Once again you find your sleep is slept alone, you're sleeping in.
You tossed and turned last night, and there was no one there to complain.
No one. No love.
Did you make the bed?
Why make the bed?
You never make the bed...

Make your way home to find there's no home.

And on the birth of some forgotten dick in history there were no glasses clinking,
There was no one there to share a drink with.
No one. No love.
Did you drink alone?
Did you drink at home?
You always drink alone.

Once again you find your sleep is slept alone, you're sleeping in.
You tossed and turned all night,
There was no one there to complain.
No one.
No love.
Did you make it to bed?
Did you drink in bed?
You gave the dog the bed...

Make your way home to find there's no home.

Und genau diese Art von Text habe ich auch noch nie vorher in dieser Form gehört. Wenn man sich in diesen Songs wiederfindet, bekommt man kein Verständnis, man wird sich darin nicht wohlfühlen können, es ist viel mehr eine Anklage. Und vielleicht braucht es das. Das ist die Frage. Ob man abstürzen muss, ob man sich fertig lassen machen muss, um etwas zu erkennen. Die Antwort auf die Frage weiß ich nicht.

Neuentdeckungen in so vieler Hinsicht. Gedankenfood! Würde mich über eure Meinungen in den Kommentaren freuen! Jetzt schieben wir hier aber erstmal ne ruhigere Kugel und starten ins Wochenende! x Maja

Kommentare:

  1. Liebe Maja,
    das ist einer der intensivsten, bewegendsten, augenöffnendsten Musikbeiträge, die ich bei dir gelesen habe und ich danke dir dafür!
    Das ist jetzt definitiv erstmal ne ganze Menge zu verdauen. Die Songs sind alle wundervoll. Die Gedanken und Assoziationen hätten allesamt auch von mir sein können. Nein, ich wünschte sie wären von mir gewesen. Unglaublich bewegend das Ganze, großartig formuliert. Ich werde alle Künstler weiterhören. Vor allem Levi the Poet ist herzzerreißend, aus einer ganz anderen Welt, eine ganz andere Dimension. Diese poetischen, mystischen Texte sind allein Kunst. Dann die musikalische Untermalung, die Videoschnipsel, diese tief erschütternde Stimme...Unfassbar...Ich verdaue noch....


    💜💜💜
    Katharina

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    1. ICH danke DIR!!!!!! <3
      Ja oder? Das ist einfach Wahnsinn.. Ganz schwer in Worte zu fassen und einfach auch so underrated?! Dann natürlich auch wieder ziemlich hart das Ganze..

      Danke dir!!! <3

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  2. Huhu liebe Maja,
    ich bin gerade zufällig auf deinen Blog gestoßen. Ich kann grad nichtmal mehr sagen, wie genau.
    Jedenfalls bin ich gerade dabei, deinen Blog ein bisschen zu erkunden und bin hier hängen geblieben. Obwohl ich vermutlich keinen der Songs bzw. Künstler in meine private Playlist aufnehmen würde, fand ich diesen Post hier grandios. Neue Einblicke, ganz neue Töne, ganz neue Kunstformen!
    Danke dir einfach für diese kleine, musikalische Reise.

    Spätestens jetzt hast Du eine neue und sehr gespannte Leserin gewonnen (:

    Liebe Grüße
    Miriam

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    1. Freut mich unglaublich, dass ich dir mit diesem Beitrag etwas mitgeben konnte! Da hast du mir gerade wirklich ein Lächeln ins Gesicht gezaubert, vielen lieben Dank dafür! :)

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