14. September 2016

Tschick - das Buch | Buch vs. Film

Hi ihr Lieben! Heute wollen wir einmal in ganz neue Sphären eintauchen und uns nach langer Zeit mal wieder dem Thema Literatur widmen. Zusammen mit Katharina von Großstadtgedanken möchte ich mit euch über "Tschick" sprechen. Dieser gehypte Jugendroman, der den Deutschen Jugendliteraturpreis abgeräumt hat und jetzt verfilmt wurde. Ich werde euch heute das Buch genauer vorstellen, morgen könnt ihr auf Großstadtgedanken dann eine Rezension zum Film finden. Dabei soll es aber nicht nur darum gehen, die beiden Formate in Einklang zu bringen und die möglichen Unterschiede aufzudecken, sondern auch die Geschichte zu hinterfragen. Was ist dran an "Tschick"?




TSCHICK - DAS BUCH | Zum Film hier entlang..



Autor: Wolfgang Herrndorf 

Titel: Tschick

Verlag: Rowohlt

1. VÖ: 2010

Seiten: 256 (Taschenbuch)

ISBN: 3499256355


«Ein klappriges Auto kam die Straße runtergefahren. Es fuhr langsam auf unser Haus zu und bog in die Garagenauffahrt ein. Eine Minute stand der hellblaue Lada Niva mit laufendem Motor vor unserer Garage, dann wurde der Motor abgestellt. Die Fahrertür ging auf, Tschick stieg aus. Er legte beide Ellenbogen aufs Autodach und sah zu, wie ich den Rasen sprengte. ‹Ah›, sagte er, und dann sagte er lange nichts mehr. ‹Macht das Spaß?›
»Mutter in der Entzugsklinik, Vater mit Assistentin auf Geschäftsreise: Maik Klingenberg wird die großen Ferien allein am Pool der elterlichen Villa verbringen. Doch dann kreuzt Tschick auf. Tschick, eigentlich Andrej Tschichatschow, kommt aus einem der Asi-Hochhäuser in Hellersdorf, hat es von der Förderschule irgendwie bis aufs Gymnasium geschafft und wirkt doch nicht gerade wie das Musterbeispiel der Integration. Außerdem hat er einen geklauten Wagen zur Hand. Und damit beginnt eine Reise ohne Karte und Kompass durch die sommerglühende deutsche Provinz, unvergesslich wie die Flussfahrt von Tom Sawyer und Huck Finn.

Konstruktion
Die Handlung wird aus Maiks Perspektive erzählt, der neben Tschick die zentrale Hauptfigur darstellt. Der Autor bedient sich dabei der Jugendsprache, die aber keinesfalls aufgesetzt oder gekünstelt wirkt. Ich habe schon desöfteren Geschichten gelesen, denen man angemerkt hat, dass dem Autor der nötige Realitätsbezug fehlt, um überzeugend die Sprache und Gedanken von Jugendlichen wiederzugeben, das ist hier absolut nicht der Fall. Sehr gut, vor allem da immer noch ungewöhnlich!

Neben Maik und Tschick spielt Maiks Schwarm Tatjana eine große Rolle, durch sie kommt die Geschichte eigentlich erst ins Rollen. Auf ihrer Reise begegnen die beiden dann noch Isa, die ebenfalls ihren Teil zur Story beiträgt. Der Kreis wird von Maiks Eltern geschlossen, die uns den nötigen Hintergrund vermitteln, die durch ihre Reaktionen und Handlungen ein umfassendes Bild geben und die in meinen Augen die wichtigsten Aussagen vermitteln.

Daneben erfahren wir immer wieder etwas über Maiks Umfeld, seine Klassenkameraden und Lehrer. Teilweise bringt der Autor hier Gedanken und Überlegungen, deren Sinn mir nicht ganz klar ist, die aber doch zeigen, was sich alles in so einem jugendlichen Gehirn abspielt und womit es sich beschäftigt.

Einstieg & Handlung
Die Handlung beginnt auf der Polizeistation, die das Ende der Reise bedeutet. Im Rückblick erfahren wir dann, wie es zu der Reise kam. Maik, der keine wirklichen Freunde hat, sich als absoluter Langweiler fühlt, der von seinem Schwarm nicht beachtet wird. Die Mutter Alkoholikerin und der Vater nur auf seinen Ruf bedacht, denn es steht und fällt mit dem Geld, oder? Auftritt Tschick. Tschick, das Musterbild des "Asozialen", der betrunken in die Schule kommt und dem scheinbar alles egal ist.

Tschick und Maik freunden sich an. Als dann Tatjanas Geburtstag ansteht, beschließen sie gemeinsam ohne Einladung hinzufahren und ihr Maiks Geschenk zu überreichen. Dass Maik keine Einladung bekommen hat, ist wohl der zentrale Auslöser für alles Folgende.

Zwei Außenseiter, die sich gefunden haben, die auf der Suche nach Aufregung sind, scheinbar doch nichts zu verlieren haben, machen sich auf die Reise. Mit einem geklauten Auto mit Ziel und doch vollkommen ziellos. Sie treffen auf die unterschiedlichsten Menschen, stolpern von einem Abenteuer ins nächste, bis die Reise schließlich endet.

Themen, Interpretation, Fragen
Ein gehyptes Jugendbuch haben wir hier. Mit den Themen Liebe, Freundschaft, soziales Umfeld scheinbar randvoll mit Kritik, Erklärungen und Weisheiten. Was will uns Tschick sagen? Dass Geld nicht alles ist im Leben und Liebe nicht ersetzen kann? Dass manche Menschen lieber wegschauen als zu handeln, obwohl gerade sie es tun müssten? Dass der oberflächliche Eindruck nichts bedeuten muss und man mit einer offenen Haltung nicht nur auf Schlechtes treffen wird? Dass Freundschaft noch wahr sein kann, dass man mit den richtigen Personen wachsen kann, dass man noch Rückhalt finden kann?

Vieles davon wird wohl zutreffen. Und doch ist genau das meine Kritik am Buch. Ich habe mich wochenlang damit beschäftigt, es unzählige Male gelesen und interpretiert und kann euch jetzt vieles sagen, das mir auch gefällt. Doch ganz ehrlich? Nach dem ersten Lesen hatte ich nicht mal die Hälfte dieser Eindrücke. Viel mehr habe ich ein Buch gelesen, das ein Abenteuer darstellen sollte, aber irgendwo einfach vor sich hinrumpelte. Ein Buch, das mich erst ganz zum Schluss berührt hat. Ein Buch, das Motive in sich versteckt hat, die ich nicht verstanden habe und die ich teilweise paradox fand.

Dass Tschick so beliebt an Schulen ist, liegt sicher an den gewählten Themen und eben der Tatsache, dass es sich wunderbar auf 5000 Arten interpretieren lässt und sich immer wieder neue Gesichtspunkte herausziehen lassen. Für mich persönlich ist es aber nichts, das mich bei einem Mal Lesen fesselt, das mich verstört oder bewegt oder nachdenklich zurücklässt.

Das war meine Meinung zum Buch. Wie Katharina das Ganze wahrnimmt und vor allem, ob der Film für sie an den Bucherfolg herankommt, lest ihr morgen! Bis dahin empfehle ich euch noch den Leadtrack zu Tschick, ein kleines Meisterwerk. Bis dahin! x Maja

Kommentare:

  1. Liebe Maja,

    wir haben uns ja nun schon einige Male zu dem Thema ausgetauscht, aber trotzdem möchte ich noch mal kurz meine Meinung da lassen. :)

    Der Bericht in der Endfassung liest sich einfach nur wieder super! Schön leicht, logisch, nicht zu viel verraten und trotzdem ein nachvollziehbares Fazit!

    Mich fasziniert das Buch nach wie vor. Durch deine Rezension und mit dem Blick auf den Film ist mir jedoch klar geworden, dass es sich eben um ein Jugendbuch handelt, was in erster Linie Zustandsbeschreibung sein will. Vieles kann man interpretieren, und auch deine Fragen würde ich alle mit ja beantworten, aber für eine wirkliche Metaebene ist im Buch nicht viel angelegt. Die Reise steht für mich im Mittelpunkt, das "lass es uns jetzt wagen" und im Moment sein. Ganz wie es das vorangestellte englische Zitat vermuten lässt: Kämpfe nicht dagegen an, lass es geschehen und Dinge werden passieren, die du dir nicht zu träumen gewagt hast. Damit werde ich das Buch jetzt zurück ins Regal stellen...

    Für mich wäre es an der Stelle natürlich super spannend, wenn ihr den Film schaut. :)

    Alles Liebe!
    Katharina

    P.S.: *stalkeralert* Freut mich riesig, dass es bei dir beziehungstechnisch wieder gut zu laufen scheint. :)

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    1. Natürlich, sehr gerne! Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich bisher noch nicht dazu gekommen bin, deinen Beitrag zu lesen, das werde ich aber gleich im Anschluss tun! Nur damit du auch bei der Reihenfolge hier durchblickst..

      Dankeschön! Freut mich sehr :)

      Das ist ein wirklich interessantes Fazit, auf das ich wohl gar nicht so gekommen wäre. Auch das Zitat habe ich auf eine andere Ebene interpretiert, irgendwie vollkommen an dem Zeitgedanken vorbei. Hach ich liebe einen solchen Austausch, wenn einem plötzlich ganz neue Sichtweisen aufgehen..

      Bisher hat's leider leider leider nicht geklappt, aber mal sehen, läuft ja noch ne Weile :)

      Zu deinem PS: Gott, das ist ultralieb von dir! Ist leider aber gar nicht so. Trotzdem danke dir <3

      Dankeschön <3

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