31. Oktober 2016

Künstler des Monats: Sierra Kidd

Hallo ihr Lieben! Maja meldet sich zurück und das (natürlich) an einem Montag. Halloween. Würde eigentlich nach einem Make-Up schreien. In den letzten beiden Jahren war dieser Tag immer besonders für mich, das ausgedehnte Schminken eine lange Therapiesession. Ob ich das heute noch machen werde, weiß ich gerade noch nicht, der Bedarf besteht in jedem Fall. Der Herbst ist jedes Jahr wieder eine Herausforderung für mich und so sehr ich den September verachte, so ist doch der Oktober das größte Übel, in dem es gemütstechnisch steil bergab geht. Besonders wichtig wird dann wieder die Musik und die ist, klar, nicht krass fröhlich. Im Oktober sind sehr viele musikalische Eindrücke auf mich herab gestürzt, privat in meiner eigenen kleinen Blase lief aber meist immer der gleiche Künstler. Musik, in der man sich zuhause fühlt, auch wenn sie einem langsam das Messer immer tiefer ins Herz drückt. Denn irgendwie ist das auch wichtig. Dass man sich dem Schmerz bewusst wird, dass man sich verstanden fühlt, dass es halt grad keine Lösung gibt und dann muss man ja auch nicht so tun, oder?


Mein Künstler des Monats Oktober ist Sierra Kidd. Deutscher Rap, again. 2016 ist dieses Genre für mich immer wichtiger geworden, so wichtig wie noch nie. Woran liegt's? Vielleicht war die Zeit für Neues gekommen, neue Entdeckungen, auch mal Texte in der Muttersprache feiern, die manchmal wirklich roher und brutaler wirken. Vielleicht liegt's auch daran, dass alles andere schon verbraucht war, mit Erinnerungen verknüpft, mit Menschen, die keinen Platz mehr haben und vielleicht liegt's auch daran, dass der Mensch, um den es hier doch zum Großteil geht, Rap einfach ranzig findet.

Wie fangen wir an? Ich muss euch ganz ehrlich sagen, dass ich, bis ich diesen Beitrag angefangen habe, praktisch nichts über Sierra Kidd wusste. Keinen Namen, kein Alter, keinen wirklichen Background. Und das hat mir gefallen, weil doch die Musik zählt, oder nicht? Daher werden wir jetzt einfach mit Tracks und Texten und Geschichten anfangen und uns der Person erst später widmen. Ihr sollt den Wow-Effekt bekommen, den ich auch hatte.


In den letzten Wochen ist es mir wieder recht oft passiert, dass ich mit einem Ohrwurm aufgewacht bin und wenn es nicht gerade der Killer Loveland von Milky Chance war, dann war es Knicklicht. Knicklicht ist für mich ein Track, der textlich absolut tief geht, aber melodiös noch recht weit oben bleibt. Soll heißen man kann ihn hören ohne sofort in Tränen auszubrechen, man kann noch recht angestrebt mitsingen, ein Mittelweg, der sehr gut funktionieren kann. Der noch irgendwo eine minimale Portion Witz ins Leid bringen kann und dabei von einer leichten lockeren Attitude begleitet werden kann.

Du weißt nicht, was du mir bedeutest/ Für Fehler bezahl immer ich /Jeder versagt bei deinem Blick
Weil ich nie wem erzähl was war/ Geht es so weiter und das jeden Tag
Gebrochen sein für dich ist okay/ Mein Leben ist ein auf und ab solange ich dich sehe
Du stiehlst wer ich bin, wir beide kriegen das hin/ Denn schließlich bin ich da und das für dich solange du lebst
Für dich ist alles gut, wenn ich geknickt bin
Krieg' nichts ohne dich hin
Doch bin immer der, der dir dein Licht bringt

Für dich tu' ich alles, denn für dich bin ich ein Knicklicht
Aber du bist es für mich nicht


Sierra Kidd - Nie Vorbei von repyh13music

Youtube wollte mein Konzept zerstören, aber denkste! An der Stelle hätten zwei Songs gepasst, FSOD oder eben das obige Nie Vorbei. Beide verkörpern für mich das Verstandenwerden, das ich oben angesprochen habe. Es geht mir hierbei vor allem um diese Machtlosigkeit, dass alles zu schnell geht, zu viel ist. Das ist ein Problem, das ich wirklich als solches wahrnehme. Genau dieses Gefühl der Überforderung, des too-much-sein, stößt ganz, ganz oft auf Unverständnis im Alltag. Und wenn man dann mal erklären soll, warum man grad nicht mehr kann, was einem da auf den Schultern lastet und andere das als absolute Nichtigkeiten abtun.. Es wird so nicht helfen, friends. Was dagegen hilft, ist zu wissen, dass es anderen auch so geht, dass man kein Alien ist. Extrem wichtig.

Und wir klammern uns an Material, wollen Patte/ Unser ganzes Leben, aber haben Mathe gehasst
Denn es ist eins plus eins gleich das, was man uns glauben lässt
Wenn du trotz Nachtschicht immer wach bist/ Dein Verstand bricht beim Anblick deines Antlitz
Und sie sagen zu dir, bedank dich/ Stattdessen denk ich, was soll ich ihnen beim zuwinken sagen?
Vielleicht "Ich habe zu viel erwartet" 

Und wir fliegen wieder viel zu weit
Und das alles geht mir viel zu schnell
Fühlt sich an, als geht es nie vorbei


Numero Drei für heute: Amor's Headshot. Der Titel verrät uns im Prinzip schon alles und reiht sich damit wunderbar in die Songs der letzten Wochen ein. Hier haben wir dann in meinen Augen schon einen der krassesten Tracks, der in sich null positive Vibes versprüht. Im Verhältnis überwiegt hier aber die Wut und/oder Taubheit und weniger die Trauer. Hier wird heut nicht geheult. Amor's Headshot hat ebenso einen relativ hohen Anteil an Drogenanspielungen, destruktives Verhalten wollen wir heute aber nicht im Detail besprechen..

Bin ich verrückt, weil ich in Krisenzeiten hoff'?
Du liebst nur meinen Job/ Was bin ich ohne wert? - Wir fliegen leider oft
Alles nur, um zu vergessen was war/ Ich hab bis auf's Letzte versagt
Denn heut' hat Amor keinen Bogen mehr/ Er schießt dir in den Kopf
Und bitte zeig mir wie das geht
Denn ich seh' darin kein Problem
Und du behandelst mich wie Scheiße, jeden Tag das Gleiche
Das alles wegen dir, dir, dir, dir, dir, dir.
(Und ich spüre nichts)

Last but not leeeeeast! Der wohl bekannteste Track, den ihr sicher schon irgendwann mal irgendwo gehört habt: 20.000 Rosen. 2014 ist Sierra Kidd damit beim Bundesvision Song Contest für Niedersachsen angetreten und ich meine, dass der Track damals doch relativ beliebt war, auch wenn es "nur" für den dreizehnten Platz gereicht hat. Damit kommen wir dann auch zur Person. Sierra Kidd aus Emden, 20 Jahre alt. 20. Jahre. Alt. Niemals wäre ich bei dem Stimmklang und den Texten darauf gekommen. Ich muss zugeben, dass es mir oft zuwider ist, junge Künstler zu feiern (bzw. einfach welche, die jünger sind als ich, weil was hab ich eigentlich in meinem Leben geschafft?), aber in dem Fall - einfach wow. Dass diese 20 Lebensjahre auch ordentlich gefüllt mit Erfahrungen sind, braucht man wohl erst gar nicht mehr zu erwähnen. Da schreibt ein junger Mann Geschichten, die niemals alt werden, auch wenn sie das besser würden.

Offenbar ist mein Herz weg, doch ein Loch ist da
Der Tag wird kommen, an dem du merkst, dass ich die Sonne war
Die Dornen stechen mich so sehr, wie ein Messer in mein Herz
Und ich drück' es immer tiefer hinein
Die alten Narben tun weh, mit jedem Wort was du erwähnst
Und ich glaub', ohne dich gehe ich ein

Warum sind Rosen rot? 

Ich hoffe, ich konnte euch damit ein Stück Musik etwas näher bringen. Mein Oktober war dank Sierra Kidd prall gefüllt mit Emotionen und oft musste ich mir morgens in der Bahn die Tränen wegblinzeln. Aber auch das ist es doch, was die Musik ausmacht - man wächst mit ihr. Oder?
Was war euer Soundtrack im Oktober? Hoff, es geht euch gut. x Maja

Kommentare:

  1. Huhu Maja (:

    Sehr, sehr schöner Post aus dem ich sehr viele Gedanken mitnehmen konnte!

    Mein Soundtrack im Oktober war definitiv Runaway Train von Avantasia.
    Ein (fast) 9-Minuten-Epos, der in sich eine (oder vll gefühlt meine) Geschichte erzählt - voll mit Vernunft vs. Unvernunft; Sehnsucht auszubrechen; Scheitern; Hoffnung und Benommenheit. Das ganze verpackt in musikalischer und atmosphärischer Vielfalt und inszeniert von vier Stimmen, die nicht besser ihre Rolle verkörpern könnten.
    Das ist momentan der Song, bei dem ich Tränen wegblinzeln muss.

    Liebe Grüße
    Miriam von schwarzweisspositiv.de

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    1. Ich danke dir vielmals für deinen Kommentar und deine Worte! Es freut mich so, dass ich damit Anreize geben kann, hätte ich so nicht für möglich gehalten! <3

      Ich habe mir den Song angehört und kann nachvollziehen, was du meinst.. Mir fehlen da grad ein bisschen die Worte, um das auszudrücken, aber ich habe alles darin wiedergefunden, krass!

      Liebste Grüße!

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